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Ich werde 50 – Fiat 132

von Mark Siegenthaler, 19. Mai 2022
aus der Serie Ich werde 50
Bild (1/15): Fiat 132 Special (1972) – In edlem Rot-Ton (© Werk/Archiv, 1972)

Ausnahmsweise beginnen wir den Bericht zum aktuellen 50-Jahre-Jubiläumsmodell mit einem persönlichen Rückblick des Autors, der in grauer Vorzeit die Gelegenheit zu einem Ausflug in einem Fiat 132 hatte. Genauer gesagt einem späten Zweiliter mit Automatikgetriebe in Orange…

Das Auto und die Fahrt blieben aus drei Gründen im Gedächtnis haften. Erstens: Das Fahrzeug war wirklich knallorange (was nur auf wenige Autos dieser Grössenklasse zutraf). Zweitens: Es hatte keinen Rost, bot eine Menge Platz und war relativ komfortabel (was nur auf wenige Autos dieses Herstellers zutraf). Drittens: Nach drei Kilometern gab das Automatikgetriebe den Geist auf und funktionierte nur noch in der Position «R». Den Nachhauseweg absolvierte der Autor daher auf glücklicherweise verkehrsfreien Strassen rückwärts.

Die Punkte sind für den im Mai 1972 lancierten Fiat 132 ziemlich charakteristisch. Nummer eins und zwei im buchstäblichen Sinn, denn es war eben ein Fiat, aber als gehobener Mittelklässler am anderen Ende der Futterkette als Cinquecento & Co positioniert. Nummer drei im übertragenen Sinn: Der 132 kam insgesamt nicht so recht vom Fleck, zumindest verkaufsmässig.

Aber fangen wir von vorne an. Die Entwicklung des 132 startete im Jahr 1966. Es zeichnete sich eine längere Entwicklungsphase ab, daher wurde als Überbrückungsmassnahme der 125 auf den Markt gebracht, den der 132 sechs Jahre später dann ablöste.

Liest man frühe Tests, erhält man den Eindruck, dass sich die Mühe nicht gelohnt hatte. Der 132 sehe zu beliebig und zu «japanisch» aus, hiess es, er habe insgesamt keinen Sex-Appeal und fahre sich schwammig.

Auch beim Publikum kam der 132 nicht so gut an wie der 125. Fiat besserte daher sukzessive nach. Bereits 1974 kam das erste Facelift mit den neuen GL- und GLS-Modellen. Auch das Fahrwerk wurde optimiert. 1977 trat der 132 nach der Einstellung des Fiat 130 an die Spitze der Modellpalette. Fiat passte das Design dazu erneut an und spendierte dem 132 einen grösseren Zweiliter-Motor und eine verbesserte Ausstattung. 1978 ergänzten zwei Dieselmotoren das Spektrum, 1979 folgte der 2000 i.e. mit elektronischer Benzineinspritzung. So konnte der 132 auch leistungsmässig mit der Konkurrenz mithalten. Bis zum Produktionsende 1981 kam der «grosse» Fiat auf immerhin 652’947 gebaute Exemplare, dazu kamen 108'725 Seat 132 in Spanien.

Nachfolger im Programm wurde 1981 der Argenta – der ausser den Rechteckscheinwerfern und weiteren Retuschen noch weitgehend dem 132 entsprach. Auch sonst kann der 132 so schlecht nicht gewesen sein, denn er wurde ausserhalb Italiens noch weitergebaut, und zwar in Südkorea bei Kia und in Sambia bei «Livingstone Motor Assemblers», wenngleich bei Letzteren in eher homöopathischen Stückzahlen.

Kleine Stückzahlen sind auch heute das Motto – der Fiat 132 ist ein durchaus seltener Vertreter in der Schweizer Oldtimer-Vielfalt. Schade eigentlich, denn rückblickend wäre das ein praktischer Klassiker für die ganze Familie. Gerne in knallorange und noch viel lieber mit funktionierendem Vorwärtsgang…

 
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